Die Entdeckung der Bewegung als eigene Sprache

Seit 1986 entwickelt Minako Seki eine intensive Lehrtätigkeit. Sie unterrichtet seit 1990 bei der „tanzfabrik Berlin", hatte von 1992-1998 einen Lehrauftrag bei der "School of Stage Art/ teatret cantabile 2" in Dänemark und von 1998-2003 an der „Staatlichen Schauspielakademie for Figurtheater/ Norwegen". Außerdem organisiert sie eigene Schulungsprogramme. Zuletzt unterrichtete sie in Santiago de Chile, San Francisco, New York,
Worpswede und Berlin.
2007 hat Minako eine Gastprofessur in Gießen am Institut für angewandte Theaterwissenschaft erhalten.


Butoh-Tanz beschäftigt sich inhaltlich mit menschlichen Ur-Situationen. Dabei ist Metamorphose ein Schlüsselbegriff: Es entstehen Bilder und Gefühle von besinnlich-meditativem bis komisch-groteskem Charakter.




Die Grundlagen meines Tanzes

Die Basis meines Tanzes ist, daß ich bewegt werde. Es ist faszinierend, ein Stück Stoff zu beobachten, das am Zweig von einem Baum hängt und vom Wind passiv bewegt wird.
Wenn man sich nun genügend Zeit nimmt und sehr lange den Stoff anschaut, der sich vom Wind bewegt, ändert sich die Wahrnehmung. Wird nicht vielleicht der Wind vom Stoff bewegt?
Es bedeutet, der Mensch beginnt sich Vorstellungen zu machen. Es könnte somit auch sein, daß nicht der Mensch sich bewegt, sondern bewegt wird. Genauso werde ich bewegt, werde geschoben und gezogen von..........
In Japan gibt es viele Geister, lange nicht alle sind nur böse. Die Geister sind überall. Sie sind voller Lebenskraft und in Bewegung wie der Wind, dabei sind sie oft still in ihrer Bewegung. Sie durchdringen Mikro- und Makrokosmos.
Auf der Bühne lasse ich mich durch meine Imagination von den Geistern bewegen.
Meine Energiequelle ist eine kleine Sonne, die sich im Zentrum meines Körpers, im Tan-Den befindet.
Durch die kleine Sonne führt ein dünner Faden, der auf der einen Seite durch den Scheitelpunkt in den Kosmos ragt, auf der anderen Seite durch die Gravitationskraft schnurgerade zum Erdmittelpunkt gezogen wird.
Diese Gravitationslinie ist Grundlage meiner Körperposition.
Einerseits hänge ich somit (und alle anderen Menschen ebenso) von der Erde herab.
Andererseits hält im Kosmos ein großer Geist den Faden, an dem ich aufgehängt bin.
Der Geist kann seine Größe und seine Position ändern, je nach meiner Vorstellungskraft. Durch die Veränderung der Größe des Geistes und wie er sich bewegt, werde auch ich bewegt.
Diese Imagination baue ich in verschiedene Tanztechniken wie Jazz Dance, Break Dance, Capoeira, Tango etc. ein und entwickle damit meine eigene Tanztechnik, die ich "Dancing Between" nenne.
Die Vorstellung erreicht somit die Wirklichkeit. Ich wirke und werde vom Zuschauer wahrgenommen.


Zur Technik:

Das „Basic Training" ist die Grundlage des Kurses, in dem der Kursteilnehmer das „Hängen" kennenlernt, das Minako Seki „Universal Position" nennt. Außerdem lehrt sie die Technik der Bewegung durch das physikalische, kinetische Prinzip und ihre Theorie; Relaxation, d.h. im Hängen locker zu sein; weiterhin das Umsetzen der eigenen, ganz persönlichen Imagination sowie das Umsetzen von Emotion in bewüßte, eindrucksvolle Bilder, um so zum Tanz zu kommen. Dabei lernt der Kursbesucher mit seiner körperlichen Grundenergie, dem „Tanden", zu arbeiten und Tanz zu entwickeln. Entweder im „Kontakt" mit einem Partner oder der ganzen Gruppe wird die Arbeit vertieft.


Zur Improvisation:

In der Improvisation wird Tanz entwickelt. Dabei lernt der Kursbesucher, ein körperliches Gefühl aufzubauen und seinen Körper zu spüren.
Die Mittel dazu sind: Fallen, stoppen, fokussieren, isolieren, gezogen und gedrückt werden, den Körper als Punkt sehen, die Bewegung als acht, um nur einige zu nennen. Kostüme, Schminke, Bühnenmaterial fließen mit ein, um schließlich von der Improvisation zum „ganzen Tanz" zu gelangen.


Zum Raum:

Unser Körper, der noch eben gar nicht in der Welt war, die selbst unfassbar im All schwebt, ist ein Riese, eine Welt oder vielmehr ein All gegenüber dem Nichts, wo wir nie hingelangen werden.
In diesem Spannungsverhältnis lernt der Kursteilnehmer, seinen Körper zu bewegen, den Raum zu füllen und mit ihm zu arbeiten. „Der Raum ist die Erde, der Himmel, der Horizont, die Landschaft hinter dir und an den Seiten rechts und links neben dir.“


Zum Fallen:

Alles, was Du hochheben kannst, fällt auch herunter, d.h. alles fällt gezielt in Richtung Mittelpunkt der Erde, sogar Deine Schritte fallen zur Mitte der Erde.
Der Zustand des Potentials, bevor ein Stein fällt, bevor ein Pendel schwingt, ist an sich reglos, dennoch birgt es große Spannung und Erwartung.
Wenn wir einen Ball hoch in die Luft werfen, fliegt er und beschreibt einen Bogen. Auf der Spitze stoppt er kurz und bereitet sich vor, wieder nach unten zu fallen.
Mit diesem Kippzustand arbeiten wir.

Außerdem arbeiten wir:

Mit Deiner Imagination
Mit kosmischen Bildern im Raum
Mit physikalischen Prinzipien der Bewegung





Butoh:

Der Butoh-Tanz wurde 1959 von den Künstlern Tatsumi Hijikata und Kazuo Ohno begründet. Er ist ein Tanz ohne festgelegte Formen, dessen Wurzeln in die zwanziger Jahre zum modernen deutschen Ausdruckstanz zurückreichen. Ähnlich wie die deutschen Tänzer Valeska Gert, Harald Kreutzberg oder Mary Wigman in der Vorkriegszeit vollzieht der Butoh-Tänzer den Bruch mit den rationalen Prinzipien der Moderne. Er versucht stattdessen, einen anderen Begriff, ein anderes Erleben zum Ausdruck zu bringen und erklärt Butoh somit zu einem zeitgenössischen Theater des Widerstandes gegen die moderne Gesellschaft, das in den Spuren des alten Japans liest und gleichzeitig weltumspannend und kulturübergreifend zu uns spricht.
Butoh ist ein Tanztheater von meditativer Zartheit bis zur exzessiven Groteske. Es bedient sich zwar unterschiedlicher Tanz - und Ausdrucksformen, wie z.B. dem NO-Theater, Flamenco oder Capoeira, jedoch erst der ganze Tänzer mit seiner Seele, seinen Träumen, seinen Erinnerungen und seinem Körper entwickelt die Tanztechnik. Die Vorstellungskraft des Tänzers spielt dabei eine wesentliche Rolle, sein Körper wird von seinen Imaginationen bewegt und geführt – und entführt uns mit seinen Energien ins Labyrinth der eigenen Seele.

Minako Seki möchte dem Kursbesucher erfahrbar machen, dass Wirklichkeit nicht nur Gegenständlichkeit und das Tanz nicht auf die Bewegung des Körpers zu reduzieren ist. Es gibt verborgene Potentiale in uns, die in der heutigen globalen Situation vielleicht nützlich wären. Sich gemeinsam auf die Suche machen, Technik des Tanzes erlernen, sich positive Energie holen, sich selbst motivieren und vitalisieren, sich körperlich anders erfahren, nebenbei japanische Heilkunde lernen und für sich selbst neue Möglichkeiten sehen, all das sind Ziele für die Workshops, die Minako Seki anbietet.



 
 
Minako Seki bietet weltweit Workshops in regelmäßigen Abständen an. Die Zeitdauer variiert zwischen einem Wochenende Fr. – So. und einem ganzen Monat.
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