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Nominiert für den
Kurt-Joos-Preis 2001
MultimediaTanzPerformance
Minako Seki
Tanz und Choreographie
Martin Karl-Wagner,
Zam Johnson
Musikkomposition
Zam Johnson, Nils Willers
Musik - Liverealisation
Uwe Renken
Licht
Gustav Gisiger (1949-2002)
Bühne, Lichtmalerei, Projektionen
Die Arbeit von Gustav Gisiger
wird fortgeführt von Majo Ussat
Schicht eine Performance,
die übliche Grenzen durchbricht!
Die beteiligten Künstler aus Japan, USA, Schweiz und Deutschland
intensivieren seit 1990 in verschiedenen Projekten ein kunst
und kulturübergreifendes Arbeiten. Die Bereiche Tanz, Choreografie,
Musik, Licht und Bühnenbild
werden durch eine offene Zusammenarbeit zu einem neuen Ganzen
verwoben. So trägt die verschichtete Gesamtenergie den Zuschauer
durch sich verändernde BildRäume und Klangwelten in ein dicht
gewebtes Assoziationsfeld. Ausbalancierte Mehrdeutigkeiten und
die Präsenz der Tänzerin Minako Seki entführen ihn ins Labyrinth
der eigenen Seele.
Oberfläche, Haut & Hülle, Schicht
& Rinde, der Weg hindurch und weiter
Folgen wir der Tänzerin, wie sie als Mensch viele unzählige
Schichten durchschreitet, durchbricht, auf der Suche nach dem
eigenen ICH. Oder erleben
wir unsere eigenen Schichten der Wahrnehmung: Wann läßt sich
sicher sagen, was außen und was innen ist? Durchwandern wir
in SCHICHT die Sedimentschichten
der Evolution, die sich in unseren Zellen über Jahrmillionen
ablagerten und noch immer formen und wirken. Erst mit der Imaginationskraft
des Zuschauers ist das Geflecht von SCHICHT
vollendet.
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Technische
Merkblatt
Spieldauer ca. 55 min. ohne Pause
5 Beteiligte Personen:
1 Tänzerin
2 Musiker
1 Lichtdesigner
1 Projektionsdesigner
Benötigte Personen:
1-2 Haustechniker für Licht
1 Haustechniker für Ton
1 Techniker für Bühne
1 Helfer für Aufbau
Benötigtes Material:
2 Bühnenpodest a 1x2m, 20 cm hoch
1 Bühnenpodest 1x2m, 40 cm hoch
Tisch für Musikeinspielungen
evtl. Tische o. Podeste für Diaprojektoren nach Absprache
Raumanforderungen:
Spielfläche 10 x 12 m, Höhe mindestens 3,5 m, ansteigende Zuschauerreihen
mit guter Einsicht auf die gesamte Spielfläche erwünscht, Soffitte
für vordere Traverse erwünscht ab 4m Höhe min. 3 Traversen über
Bühne werden benötigt (sehr leichte Gazevorhänge)
Technikanforderungen:
3 getrennte Stromkreise für Musik, Licht und Diaprojektion
übliches Theaterlicht, mindestens jedoch: 3 weitwinklige Profilscheinwerfer,
1 2 kW, 2 x 2 kW und ca. 12 x 1 kW abstrahlwinkelverstellbare
Linsenscheinwerfer mit Toren, z. B. Teatro TRATTO manuelles
Lichtpult, mindestens 18 Kanal a 2 kW Lichtplan extra nach Rücksprache
mit Kichtdesigner
übliche Tontechnik, 4 Monitorboxen, 1 MiniDisc-Player, 2 CD-Player
auf der Bühne, Submixer 8 Kanal oder 4x2 Stereomixer, keine
Mikros für Livemusik 7 Kanäle direkt oder DI-Boxen
Absolut verdunkelbarer Raum
Licht: 3-4 Bodenstative
weißer Rückvorhang (Operafolie) erwünscht
Intercomverbindung Musik (Bühne) mit Stellwerk erwünscht
Aufbaudauer 1 Tag
Presse
Pressemeldung
vom 16.04.2000
Die Westfälische Rundschau anläßlich der Aufführung in Dortmund:
“Was ist das? Die Geschichte der Evolution? Geburt und Werdegang
eines menschlichen Individuums? Wandlung, Wanderung einer Seele?
Befreiung oder Heimkehr? Die japanische Tänzerin Minako Seki
verblüfft mit SCHICHT derart, daß sich solche Fragen erst stellen,
wenn alles vorbei ist. Wenn die Besucher ihren Augen wieder
trauen mögen. (...) Die eigentliche Stärke von SCHICHT aber
ist dies: Diese grandiose Performance setzt sich im Kopf der
Zuschauer noch fort; die Fragen nach dem, was war, führen am
Ende immer zu der Frage, wer man, man selbst, eigentlich ist.“
U
L M E R Z E LT
12.
Juni. 2001
Minako Sekis Tanzperformance „Schicht" im Ulmer Zelt streifte
in 55 Minuten die existenzielle Frage nach der Herkunft und
dem Dasein. Wundersame Wandlungen nach innen.
von Christina
Mayer
Es knackt und knarzt, ruckt und reißt. Kratzende Geräusche kommen
aus den Lautsprechern. Wahrhaft keine Wohllaute, sondern knirschende
Reibung. Dann wird der Blick von einem gläsernen Käfig angezogen,
in dem ein Lebewesen kauert. Geduckt, verkrampft, eingefroren,
Minako Seki begann ihre Performance „Schicht" mit einem Zustand
der Häutung. Schicht um Schicht schien sie sich von innen nach
außen zu befreien, ohne sichtbare Hüllen abzulegen. Der Kampf
fand innerlich statt und wurde auch dort entkrampft. Versteinerte
Fingerknöchel fingen Stück um Stück das Tanzen an. Wogen vitaler
Zuckungen durchliefen den Körper, Starres wurde lebendig.
Das so geborene Individuum pumpte sich voll mit sphärischer
Energie, fraß sich satt und war bereit zur Aggression. Das Publikum
im Zelt sah Vexierbilder. Die am ganzen Körper weiß geschminkte
Tänzerin tollte energiegeladen hinter einem transparenten Vorhang,
auf dem ihre scharf umrissenen Schattenbilder ebenfalls dämonische
Fratzentänze vollführten.
Eigentümlich war der Tanzstil der zierlichen Japanerin. Die
40 Jährige tanzte nicht nach außen, sondern sogartig nach innen.
Große, raumgreifende Sprünge gab es in diesem selbstgewählten
Tanzkorsett nicht. Dafür viele kleine Bewegungen. Trippelnd,
vibrierend und scharrend imitierte sie beispielsweise ein Insekt.
Das Kostüm aus Flicken und Papierrtisehen zischelte dazu.
In einem besonders dichten Moment konzentrierte sie alle Aufmerksamkeit
auf die Zuckungen ihrer Gesichtsmuskeln oder ihr vorgerecktes
Kinn. Da war sie plötzlich bösartig und übellaunig. Eine große
Rolle spielte in der Performance das Licht. Die Diaprojektionen
von Gustav Gisiger durchwirkten die wolkigen Bühnenvorhänge
mit spinnwebfeinen Fäden. Manchmal geisterten Irrlichter durch
die verschiedenen Bühnenbildebenen. Der Komponist Zam Johnson
griff sparsam und gezielt in die Tasten seines Keyboards.
Minako Seki ging nicht aus sich heraus, sondern in sich hinein.
Der Zuschauer wurde auf Distanz gehalten, er saß wie auf einem
anderen Stern, rieb sich die Augen und wunderte sich. Was sich
in dieser Aufführung abspielte, war weder bedeutsam nach ohne
Bedeutung. Es flog einfach vorbei. Zurück blieb eine Ahnung
vom ewigen Kreislauf des Lebens.
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