Was im Land der aufgehenden Sonne die Natur anrichtet.
Dies Anrichten ist sicherlich eine langwierige Geschichte und
genauso
verschlungen wie die schöne und strenge Kunst der Zeremonien.
Jedesmal, wenn Großvater in die Berge gegangen ist um
Brennholz aufzusammeln und Großmutter am Fluß Wäsche gewaschen
hat,
sammelten sie auf dem Nachhauseweg ein bißchen von der Natur
ein.
Zu Hause erschufen sie die im Vorübergehen betrachtete Natur
auf dem Eßgeschirr nach ohne Eile und Begierde.
Und das wurde eine Speise, die Phantasie gibt für ein immer
wieder
neues nahrhaftes Spiel mit der Natur.
So legten Großvater und Großmutter den Grundstein für den Eßtisch
im Land der aufgehenden Sonne;
und als sie einmal vor langer, langer Zeit zufällig eine Kirschblüte
auf den Teller legten,
riefen sie sofort: Das ist wie unsere Seele, schnell heiß, schnell
kalt!
Heiß die Kehle runter und schon vergessen !°
Denn die Kirschblüten blühen tapfer und voller Kraft wie ein
Strohfeuer,
ehe der Baum sie sehr bald auf den Erdboden streut.
Deshalb wird unter voll erblühten Kirschbäumen immer ein Bankett
gefeiert;
die Sakeschälchen werden noch nicht einmal halbleer,
weil sie sich sofort immer wieder füllen,
Kugelkuchen scheinen endlos vom Kirschbaum in die geöffneten
Münder zu fallen,
die Reisschalen quellen über, und um sich selbst zu vergessen
ist ein bestimmter Reflex
des Magens sogar willkommen.
Ja, jeder Körperteil wird zum Mageneingang, der sich öffnet
und zu singen beginnt.
Dummheit breitet sich aus und ein selbstvergessener Tanz beginnt;
denn lieber auch tanzen, um ja nichts zu versäumen.
Unter dem Kirschbaum voller Blüten darf alles gesche-hen.
Die Kinder probieren mit ihren Eltern, wie viele orthodoxe Stellungen
es gibt,
fremde Menschen zerrei-ßen die Haut anderer und saugen Blut,
ein nacktes Kind schaut allein gen Himmel.
Alles kann geschehen aber auch nichts kann geschehen, wie wunderbar.