 |
Schau noch mal zurück
Wenn die beiden Helden in Nicolas Roegs mittlerweile
schon klassischen Film ("Wenn die Gondeln Trauer tragen") durch die
Straßen Venedigs hasten, laufen sie durch eine Stadt, die geheimnisvoll,
bedrückend und quälend ist. Die Photos von Maciej Rusinek zeigen uns
ein Venedig, das nicht weniger geheimnisvoll ist, doch fühlen wir
uns durch das Geheimnis nicht bedroht, sondern sehen darin eher das
Rätsel der Schönheit, an der uns der Künstler teilhaben läßt. Rusinek
zeigt Kanäle, Lagunen, Gebäude und Brücken, die fast menschenleer
im natürlichen, verschwommenen, nebligen Tageslicht liegen, oder manchmal
von einer einzelnen Laterne beleuchtet werden. Dennoch schafft er
es, den Eindruck eines warmen, einladenden Ortes zu vermitteln. Das
hat sicherlich mit seiner speziallen Art zu sehen zu tun, aber auch
mit seiner technischen Meisterschaft. Die Bilder, die eigentlich monochromatisch,
doch paradoxerweise, voller Farbe sind, zwingen uns immer und immer
wieder in sie zurückzuschauen.
Grzegorz Sowula
In den Fotoarbeiten von Maciej Rusinek ist die gebannte
Emotionalität ein zentrales Thema. Seine Werke zeugen von der intensiven
Beschäftigung mit der Welt des Tanztheaters.Die schwarzweiß fotografierten
Szenen sind Momentaufnahmen, die sich weit von einer rein dokumentarisch
motivierten Fotografie entfernen.Rusinek hält den Augenblick fest,
um aus ihm sein Bild zu erarbeiten.Durch Grobkörnigkeit und lange
Belichtungszeit, die eine eigentümliche Unschärfe verursacht, unterstreicht
er den malerischen Aspekt des entstandenen Bildes und läßt die Bewegungsdynamik
zur Geltung kommen.Die Vergänglichkeit, das Momenthafte, Fließende
eines Augenblicks stehen im Mittelpunkt seines lnteresses.Die zeichnerischen
Strukturen, die durch die extreme Belichtung zustande kommen, unterstreichen
diesen Aspekt und lassen eine atmosphärisch dichte, durch den starken
Schwarz-Weißkontrast mitunter unheimliche Spannung entstehen. Gleichzeitig
wird die Gebärde, der mimische Ausdruck eines Augenblicks gebannt
und somit erstarrt eine Sekunde eines ganzen Bewegungsablaufs zu eigenwilliger
Aussagekraft. Rusinek stellt so einerseits die hohe Künstlichkeit
der Szene, aber andererseits deren zutiefst menschliche Essenz heraus»
(Beatrix Tichelman aus der Eröffnungsrede von "Coincidence XIV",Kulturzentrum
Ignis Köln, 8.05.1998)
|
 |