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Gustav Gisiger


*1949 in Biel/Bienne – Schweiz
+14.07.2002 Bremen


1965 - 69 Ausbildung zum Bauzeichner in Biel und Bern.

1970 Besuch der Filmklasse der Kunstschule FARBE+FORM in Zürich.

1972 - 76 Schauspiel-und Regieausbildung an der Schaulspiel-Akademie in Zürich.

1976 - 81 folgende Theaterstationen als Schauspieler und Regieassistent: Innerstadtbühne Aarau - Theater am Neumarkt Zürich - Nationaltheater Mannheim - Bremer Theater.

Seit 1981 in Bremen als freier Regisseur und Projektleiter tätig.

Seit 1989/90 Mitaufbau des KünstlerHauses Bremen, vier Jahre in dessen Vorstand aktiv.

1993 – 97 Leitung und Organisation der Veranstaltungsreihe "passiert" im Projektraum des KünstlerHauses.

Seit 1991 Entwickeln des Licht- und Klangprojektes KRIEG DER ZEIGER, nun theatre imaginaire.

Dez. 1994 Werkstattaufführung der ersten kinetischen Reflexions-Skulpturen.

1995/96 Realisierung unterschiedlicher Projekte in interessanten Innenräumen mit ‚Lichtmalerei‘ (Mehrfachprojektionen, Licht und Livemusik) - z.B. Dom zu Meissen.

2.April 1997 Erstaufführung der Reflexions-Skulptur JENA.

1997 Festivalbeteiligungen in Jena, Stelzen bei Reuth und Herne Okt./Nov. Montage des Video-Films „passiert 1993-97“

1998 Tanzperformance „ANIMA“ mit Adriana Kocijan in Wiesbaden, Dresden, Stelzen und Bremen.

1999 Aufführungen mit „SCHICHT“ mit Minako Seki in Brandenburg, Dortmund, Göttingen (Butoh-Festival), Frankfurt.

8.-10.Jan.1999 Erstaufführungen der Tanzszene „imagine I“ mit Minako Seki, Kitt Johnson, Zam Johnson, Uwe Renken, Dagmar Hess - in Bremen.

13./14. Aug. 1999 Regie und szenisches Gesamtkonzept zu dem Gelsenkirchener Kanalprojekt „FORTISSIMO“ - Eine Region findet ihren Rhythmus, mit über 300 beteiligten Darstellern und Musikern aus dem Ruhrgebiet.


Projekte 2000


• Projekt „SCHLACHTE 2000“ in Bremen: Projektionen, Lichtmalerei auf Fassaden und auf die speziell für Bremen konzipierte Reflexions-Skulptur: „SIRIUS C“ (Höhe 11.50 Meter) auf der Weser - zusammen mit Michael Sievert, Projektmanagement und Klangkompositionen. > Anfang Juni bis Ende August 2000.

• Projekt: KLANGRAUM „Die Leichtigkeit des Steins“ im Völkerschlachtdenkmal Leipzig mit Erwin Stache, Henry Schneider und Uwe Renken – Klanginstallationen und Musik >17.Juni 2000

• Inszenierung für die Jubiläumsveranstaltung „Dreams get wings“ - 20 Jahre Kulturzentrum Lagerhaus Schildstrasse in Bremen. Performances – Projektionen – Licht – Livemusik. > 9. Sept. 2000

• Light-Painting and Visual Movements für die E-Clubs im Lagerhaus Schildstrasse und auf der Breminale 2001

• 25.Mai 2001- EX ORIENTE LUX: Premiere Tanzperformance mit MINAKO SEKI in der Tanzfabrik Berlin. Musik: Zam Johnson


Seit seinem viel zu frühen Tode im Juli 2002 wird Gustav Gisingers Arbeit von Majo Ussat weitergeführt, der vom Lichtdesigner Uwe Renken unterstützt wird.




 
   
 
   


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Gustav hat sich selbst immer als Lichtmaler bezeichnet. Seine Dias sind eigens handgemalt. Tausende hat der Projektionsdesigner davon hergestellt:


>>Meine Projektion, die ich Lichtmalerei nenne, ist der Idee von Moholy-Nagys „Lichtrequisit“, auch Oskar Schlemmers „Triadischem Ballett“ und Nicholas Schäfers „luminodynamischen“ Konstruktionen näher als jedem audiovisuellen Medienspektakel unserer Zeit. Es transformiert das Licht als vergängliches, flüchtiges und bewegliches Element zu einem Symbol der Vorläufigkeit und des Spekulativen. Es ist das Gegenbild einer virtuellen Welt, die sich unentwegt zu konkretisieren vorgibt und doch nichts anderes bietet, als den matten Abglanz einer Wirklichkeit, welche sich umso eindeutiger als unwahr entlarvt, je mehr sie glaubhaft machen will, sie sei das geeignete Medium zur pragmatischen Bewältigung einer nicht mehr als „Eigenes und Erlebtes“ empfundenen Gegenwart.>> (Gustav Gisiger, 1999)

Zur Lichtmalerei gehören folgende Spiel-und Kunst-Komponenten:

• computergesteuerte Mehrfach-Projektionen mit von Hand hergestellten Dias
• die Erfindung der reflektierenden Skulptur in verschiedenen Größen:

“JENA“ h = 2.70 m, 1997

“NORDSTERN“ h = 4.00 m, 1999 in Gelsenkirchen für die Inszenierung FORTISSIMO konzipiert/designt

“SIRIUS C" h = 11,50 m, 2000 konzipiert/designt für das Projekt STADT AM FLUSS im Rahmen der EXPO-Präsentation der Stadt Bremen

Die Reflexions-Skulptur

Erfunden und entwickelt von Gustav Gisiger im KünstlerHaus Bremen 1991-2000


Eine reflektierende kinetische Skulptur verarbeitet projizierte Information zu einem dreidimensionalen LICHTRAUM. Das Bühnenbild entsteht so aus der Tiefe des 'Nichts' – oder aus der Tiefe der Nacht. Durch die spezielle Formgebung der sich auf einer vertikalen Achse drehenden Skulptur, (durch die Anordnung der reflektierenden Rohre) und durch die komponierten, wechselnden Lichtinformationen (Formen, Farben, Zeichen, Grafismen und Strukturen auf dem Dia-Bildträger) entstehen im dunkeln Raum vielfältige, rhythmisch pulsierende (tanzende) Körper aus Licht, die den Betrachter in die Welt des Phänomens Licht und Bewegung im Raum entführt.
So entsteht ein magischer Lichttanz, ein Spiel absoluter Zeichen, eine rhythmische Pulsation.




théâtre imaginaire:

Das „théâtre imaginaire“ von Gustav Gisiger und Michael Sievert
Text von Beatrix Nobis, Hannover (Auszüge)


Heute, mehr als achtzig Jahre nachdem Laszlo Moholy-Nagy das „Lichtrequisit einer elektrischen Bühne“ erfand, einen „Apparat zur Demonstration von Licht- und Bewegungserscheinungen“, glauben wir uns weit entfernt von den kindlich anmutenden Experimenten der frühen Avantgarde mit den fossilen Energiequellen ihrer Zeit. Die technischen und elektronischen Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte haben uns nicht nur das mediale Zeitalter beschert, sondern sich auch in Kunst, Theater und Videoperformance als feste Größen etabliert.
Doch Laserstrahl und Holographie, die wohl effektvollsten der optischen Innovationen, haben inzwischen den Reiz der visuellen Sensation weitgehend eingebüßt: Sie sind kaum noch mehr als eine Varietenummer, ein Mittel zur Erzeugung augentäuschender Taschenspielertricks und illusionistischer Verwirrspiele. Ihr Zauber war erloschen, sobald er durchschaut wurde; ein Schicksal, das mit ihnen so manches künstlerische Medium teilt, das seine ästhetische Botschaft einer multilateral nutzbaren, rasch der Gewöhnung und deshalb der Gewöhnlichkeit anheimfallenden Technologie anvertraut.

Der Regisseur Gustav Gisiger und der Komponist Michael Sievert haben einen Licht- und Klangraum mit dem Titel „theatre imaginaire“ entwickelt, der auf die Camouflage-Taktik virtueller Projektionen verzichtet. Ihr technisches Equipment ist erfindungsreich und ausgefeilt, gründet jedoch nicht auf dem Imponiergehabe, das heute so gerne in den alchimistischen Laboratorien der Computer-industrie praktiziert wird. Der technische Apparat spiegelt die Methodik des Schöpfers, er bleibt transparent als ein Ereignis, das sich von der Idee bis zu seiner Verwirklichung autonom entwickelt hat.
Diese Authentizität der Ausdrucksmittel macht nicht nur in einem ganz pragmatischen Sinne unabhängig von einem Stab geistiger Zulieferer, sondern prägt auch den Anspruch der Inszenierung, die dialektisch genannt werden kann, weil sie auf das Grunderlebnis des synästhetisch wirksamen „Gesamtkunstwerkes“ abzielt, und zugleich die Fragwürdigkeit dieses Strebens als Gestaltungsmittel mit einbezieht.

Das „theatre imaginaire“ ist ein ästhetisches Konstrukt aus Licht und Bewegung, Klang und Musik. Es ist ein Produkt, das mit dem Zufall arbeitet und doch als kalkuliert, nämlich als Abfolge subtil zusammenklingender, optischer und akustischer Operationen wahrgenommen wird. Es demonstriert in ironischer Ambivalenz zugleich seine „mechanische“ Unzulänglichkeit und besitzt deshalb auch etwas von einer Bühnenhandlung, die den dramatischen Moment auskostet und zugleich in den Zustand der vorläufigen und anfechtbaren Äußerung überführt: Die Illusion enthüllt sich mit kultivierter Beiläufigkeit als Schöner Schein, freigegeben zum Spiel mit Ordnung und Chaos und deshalb reserviert Für den, der die Geburt der Tragödie aus dem Geist der Musik und des Lichts als Therapeutikum gegen die medial inszenierte Auszehrung von Skepsis und Vernunft versteht.

Gisigers und Sieverts „theatre imaginaire“ ist der Idee von Moholy-Nagys „Lichtrequisit“, auch Oskar Schlemmers „Triadischem Ballett“ und Nicholas Schäfers „luminodynamischen“ Konstruktionen näher als jedem audiovisuellen Medienspektakel unserer Zeit. Es transformiert das Licht und den Klang als vergängliches, flüchtiges und bewegliches Element zu einem Symbol der Vorläufigkeit und des Spekulativen. Es ist das Gegenbild einer virtuellen Welt, die sich unentwegt zu konkretisieren vorgibt und doch nichts anderes bietet, als den matten Abglanz einer Wirklichkeit, welche sich umso eindeutiger als unwahr entlarvt, je mehr sie glaubhaft machen will, sie sei das geeignete Medium zur pragmatischen Bewältigung einer nicht mehr als „Eigenes und Erlebtes“ empfundenen Gegenwart.