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Gustav hat sich selbst immer als Lichtmaler bezeichnet. Seine Dias
sind eigens handgemalt. Tausende hat der Projektionsdesigner davon
hergestellt:
>>Meine Projektion, die ich Lichtmalerei nenne, ist der Idee von Moholy-Nagys
„Lichtrequisit“, auch Oskar Schlemmers „Triadischem Ballett“ und Nicholas
Schäfers „luminodynamischen“ Konstruktionen näher als jedem audiovisuellen
Medienspektakel unserer Zeit. Es transformiert das Licht als vergängliches,
flüchtiges und bewegliches Element zu einem Symbol der Vorläufigkeit
und des Spekulativen. Es ist das Gegenbild einer virtuellen Welt,
die sich unentwegt zu konkretisieren vorgibt und doch nichts anderes
bietet, als den matten Abglanz einer Wirklichkeit, welche sich umso
eindeutiger als unwahr entlarvt, je mehr sie glaubhaft machen will,
sie sei das geeignete Medium zur pragmatischen Bewältigung einer nicht
mehr als „Eigenes und Erlebtes“ empfundenen Gegenwart.>> (Gustav Gisiger,
1999)
Zur Lichtmalerei gehören folgende Spiel-und
Kunst-Komponenten:
• computergesteuerte Mehrfach-Projektionen mit von Hand hergestellten
Dias
• die Erfindung der reflektierenden
Skulptur in verschiedenen Größen:
“JENA“ h = 2.70 m, 1997
“NORDSTERN“ h = 4.00 m, 1999
in Gelsenkirchen für die Inszenierung FORTISSIMO konzipiert/designt
“SIRIUS C" h = 11,50 m, 2000
konzipiert/designt für das Projekt STADT AM FLUSS im Rahmen der EXPO-Präsentation
der Stadt Bremen
Die Reflexions-Skulptur
Erfunden und entwickelt von Gustav Gisiger im KünstlerHaus Bremen
1991-2000
Eine reflektierende kinetische Skulptur verarbeitet projizierte Information
zu einem dreidimensionalen LICHTRAUM. Das Bühnenbild entsteht so aus
der Tiefe des 'Nichts' – oder aus der Tiefe der Nacht. Durch die spezielle
Formgebung der sich auf einer vertikalen Achse drehenden Skulptur,
(durch die Anordnung der reflektierenden Rohre) und durch die komponierten,
wechselnden Lichtinformationen (Formen, Farben, Zeichen, Grafismen
und Strukturen auf dem Dia-Bildträger) entstehen im dunkeln Raum vielfältige,
rhythmisch pulsierende (tanzende) Körper aus Licht, die den Betrachter
in die Welt des Phänomens Licht und Bewegung im Raum entführt.
So entsteht ein magischer Lichttanz,
ein Spiel absoluter Zeichen, eine rhythmische Pulsation.
théâtre imaginaire:
Das „théâtre imaginaire“ von Gustav Gisiger und Michael Sievert
Text von Beatrix Nobis, Hannover (Auszüge)
Heute, mehr als achtzig Jahre nachdem Laszlo Moholy-Nagy das „Lichtrequisit
einer elektrischen Bühne“ erfand, einen „Apparat zur Demonstration
von Licht- und Bewegungserscheinungen“, glauben wir uns weit entfernt
von den kindlich anmutenden Experimenten der frühen Avantgarde mit
den fossilen Energiequellen ihrer Zeit. Die technischen und elektronischen
Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte haben uns nicht nur das mediale
Zeitalter beschert, sondern sich auch in Kunst, Theater und Videoperformance
als feste Größen etabliert.
Doch Laserstrahl und Holographie, die wohl effektvollsten der optischen
Innovationen, haben inzwischen den Reiz der visuellen Sensation weitgehend
eingebüßt: Sie sind kaum noch mehr als eine Varietenummer, ein Mittel
zur Erzeugung augentäuschender Taschenspielertricks und illusionistischer
Verwirrspiele. Ihr Zauber war erloschen, sobald er durchschaut wurde;
ein Schicksal, das mit ihnen so manches künstlerische Medium teilt,
das seine ästhetische Botschaft einer multilateral nutzbaren, rasch
der Gewöhnung und deshalb der Gewöhnlichkeit anheimfallenden Technologie
anvertraut.
Der Regisseur Gustav Gisiger und der Komponist Michael Sievert haben
einen Licht- und Klangraum mit dem Titel „theatre imaginaire“ entwickelt,
der auf die Camouflage-Taktik virtueller Projektionen verzichtet.
Ihr technisches Equipment ist erfindungsreich und ausgefeilt, gründet
jedoch nicht auf dem Imponiergehabe, das heute so gerne in den alchimistischen
Laboratorien der Computer-industrie praktiziert wird. Der technische
Apparat spiegelt die Methodik des Schöpfers, er bleibt transparent
als ein Ereignis, das sich von der Idee bis zu seiner Verwirklichung
autonom entwickelt hat.
Diese Authentizität der Ausdrucksmittel macht nicht nur in einem ganz
pragmatischen Sinne unabhängig von einem Stab geistiger Zulieferer,
sondern prägt auch den Anspruch der Inszenierung, die dialektisch
genannt werden kann, weil sie auf das Grunderlebnis des synästhetisch
wirksamen „Gesamtkunstwerkes“ abzielt, und zugleich die Fragwürdigkeit
dieses Strebens als Gestaltungsmittel mit einbezieht.
Das „theatre imaginaire“ ist ein ästhetisches Konstrukt aus Licht
und Bewegung, Klang und Musik. Es ist ein Produkt, das mit dem Zufall
arbeitet und doch als kalkuliert, nämlich als Abfolge subtil zusammenklingender,
optischer und akustischer Operationen wahrgenommen wird. Es demonstriert
in ironischer Ambivalenz zugleich seine „mechanische“ Unzulänglichkeit
und besitzt deshalb auch etwas von einer Bühnenhandlung, die den dramatischen
Moment auskostet und zugleich in den Zustand der vorläufigen und anfechtbaren
Äußerung überführt: Die Illusion enthüllt sich mit kultivierter Beiläufigkeit
als Schöner Schein, freigegeben zum Spiel mit Ordnung und Chaos und
deshalb reserviert Für den, der die Geburt der Tragödie aus dem Geist
der Musik und des Lichts als Therapeutikum gegen die medial inszenierte
Auszehrung von Skepsis und Vernunft versteht.
Gisigers und Sieverts „theatre imaginaire“ ist der Idee von Moholy-Nagys
„Lichtrequisit“, auch Oskar Schlemmers „Triadischem Ballett“ und Nicholas
Schäfers „luminodynamischen“ Konstruktionen näher als jedem audiovisuellen
Medienspektakel unserer Zeit. Es transformiert das Licht und den Klang
als vergängliches, flüchtiges und bewegliches Element zu einem Symbol
der Vorläufigkeit und des Spekulativen. Es ist das Gegenbild einer
virtuellen Welt, die sich unentwegt zu konkretisieren vorgibt und
doch nichts anderes bietet, als den matten Abglanz einer Wirklichkeit,
welche sich umso eindeutiger als unwahr entlarvt, je mehr sie glaubhaft
machen will, sie sei das geeignete Medium zur pragmatischen Bewältigung
einer nicht mehr als „Eigenes und Erlebtes“ empfundenen Gegenwart.
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